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Ein Bericht aus dem  Merkur von Herrn Robert Langer vom 21.11.2012

Kurzwarenlabyrinth im Kuhstall

Ingelsberg - Wer hier nicht findet, was er sucht, der hat noch nicht alles gesehen. Es dürfte fast nichts im Bereich Handarbeit geben, das Renate Kloschinski (73) nicht in ihrem Laden hat oder besorgen kann. Das Geschäft ist ein Geheimtipp. Für Kloschinski ist es Beruf und Berufung.

Leicht zu finden ist der Laden nicht. Adresse: Ingelsberg (Gemeinde Zorneding), Hausnummer 23. Im Internet ist die Anschrift auch zu entdecken mit dem Hinweis: Strick- und Nähstudio. Einfacher wird die Suche, wenn man sich an der Gaststätte „Hammerstuben“, Hausnummer 21, orientiert, die im Dorf noch etwas weiter die kleine Stichstraße hinunter in Richtung Weiher liegt.

Der Laden befindet sich in einem Bauernhof schräg gegenüber, nur eine unscheinbares Schild über der Türe kennzeichnet den Eingang. Es gibt kein Schaufenster, keine üppige Leuchtreklame. Neben der Tür ein Hinweis auf die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 14 bis 19.30 Uhr, Samstag von 9 bis 13 Uhr. „Früher war das der Kuhstall“, erzählt Kloschinski. Später war eine Buchdruckerei untergebracht. „Seit 2005 bin ich hier.“

Heute erinnert noch vieles in dem Raum an die frühere Nutzung. Die Wände sind weiß gestrichen, die Decke zeigt die Spuren der Betonverschalung. Für Licht sorgen Neonlampen. Nur an der Rückseite des Raums sind Fenster. Doch die sieht niemand, der in den Laden tritt. Denn gut mit Ware gefüllte Holzregale versperren den Blick. Hier stapeln sich unter anderem Wollknäuel in unterschiedlichen Farben, von knalligem Gelb oder Orange bis zu sattem Rot oder edlem Schwarz. Die Regale, teilweise quer und im Winkel aufgestellt, bilden enge, verwinkelte Gänge, fast schon ein Labyrinth. Jede Ecke ist ausgenutzt. Die Preisetiketten an der Ware sind handgeschrieben. Dazwischen wieder etwas mehr Platz. Hier steht ein Tisch, auf dem Fachzeitschriften liegt.

„Ich habe einen Kurzwarenladen“, erklärt Kloschinski. „So etwas gibt es eigentlich gar nicht mehr.“ Unter Kurzwaren versteht man kleine Gegenstände zum Nähen. Dazu gehören unter anderem Zwirne, Schnallen, Nadeln und Reißverschlüsse, Stoffflecken zum Aufbügeln auf durchgescheuerte Hosenknie, Gummibänder und Garne. Im Laden in Ingelsberg gibt es einzelne Knöpfe zu kaufen. Sie liegen, fein sortiert nach Größe und Material, in verschiedenen Schachteln und Dosen, aufgereiht in einem Regal an der Wand. „Früher war es so“, erzählt Kloschinski, „dass ein Knopfmodell über mehrere Jahre in der Textilproduktion verwendet wurden.“ Heute sei der Wandel in der Mode sehr viel schneller. Daher gebe es auch immer wieder ganz andere Köpfe. Auch in der Handarbeit habe sich viel verändert. „Die großen Zeiten sind vorbei. Heute häkelt oder strickt doch kaum noch jemand. Es gibt aber natürlich Ausnahmen. Und die sind meine Kunden.“

Renate Kloschinski stammt aus der Lüneburger Heide und hat eigentlich Kinderpflegerin gelernt. Als ihre eigenen Kinder geboren wurden, gab sie den Beruf auf. Ihr Mann war in der Weinbranche tätig. Er verlegte seine berufliche Tätigkeit in das Umland von München und eröffnete in Eglharting (Gemeinde Kirchseeon) ein Weingeschäft. Im hinteren Bereich reservierte sich Renate Kloschinski ein paar Quadratmeter und verkaufte Wolle. Handarbeiten machte ihr Spaß. Das war 1986 der Anfang. Es folgte ein Laden in Zorneding. Und dann Ingelsberg. „Hier habe ich 140 Quadratmeter. Aber das ist auch schon wieder zu wenig.“

Was für den Besucher unübersichtlich erscheint, hat für Kloschinski eine eigene Ordnung. „Ich finde alles.“ Eine Inventur brauche sie nicht. Und Veränderungen gebe es auch kaum. „Ich räume selten etwas um. Dazu habe ich auch zu wenig Umsatz.“ Wie viele Kunden sie hat, das wisse sie nicht genau. „Mal kommen mehr, mal kommen weniger.“ Gerne gibt Kloschinski auch Tipps für den Umgang mit Strick- und Nähnadel, mit Wolle und Stoffen. Und sie nimmt sich viel Zeit bei der Beratung der Kunden. Großen Gewinn zu machen, das ist nicht ihr Ziel. „Der Laden trägt sich.“ Und sie habe ja auch noch ihre Rente. „Das reicht.“ Renate Kloschinski ist sehr gerne hier, zwischen all den vollen Regalen. „Den ganze Tag zu Hause, das wäre mir zu langweilig.“

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Ich habe von Montag bis Freitag 14:00 Uhr bis 19:30 Uhr und Samstag von 09:00 bis 13:00 Uhr für Sie geöffnet.